Betreute Futterplätze

Dieser Begriff wird immer wieder in einem Atemzug mit betreuten Taubenschlägen genannt, obwohl es sich dabei um eine eigenständige Angelegenheit handelt, sodass man diese beiden Begriffe klar voneinander abgrenzen muss.

Unter betreuten Futterplätzen versteht man festgelegte Orte, an denen von Taubenfreunden bestimmte Mengen an artgerechtem Futter für die wildlebenden Tauben ausgelegt werden. Dieses artgerechte Füttern geschieht täglich und nach Möglichkeit immer zu einer festgelegten Zeit.

Wie man aus den Beobachtungen gelernt hat, sollten die betreuten Futterplätze genauer betrachtet werden. Diese bringen für die Stadttauben den großen Vorteil, dass diese Vögel sich nicht mit den anderen freilebenden Vögeln um das in der Öffentlichkeit gefundene Futter, wie z.B. Brotreste, streiten müssen. Auch wird durch das artgerechte Futter der Gesundheitszustand der Tauben wesentlich verbessert, was den Vögeln besonders zu Gute kommt und als positiv bewertet werden kann.

Das große Problem der betreuten Futterplätze ist jedoch, dass dadurch die Population rund um den Futterplatz nicht mehr kontrolliert werden kann. Da die Tauben sehr intelligente Tiere sind, versuchen die Vögel immer dort das Futter zu suchen, wo man am wenigsten dafür tun oder darum kämpfen muss.

Daher ist die Population an einem betreuten Futterplatz nicht konstant, sondern steigt im Laufe der Zeit auf eine kaum überschaubare Anzahl an Tieren. Sei es zum einen, dass auch Tauben aus anderen Stadtteilen sich dort mit Futter versorgen oder aber, dass die Küken bei dieser hervorragenden Nahrungsversorgung bessere Überlebenschancen haben.

Ein Zahlenbeispiel soll diese Problematik verdeutlichen. Angenommen, dass an einem betreuten Futterplatz 50 Taubenpaare leben. Würde dort nicht kontrolliert gefüttert, dann würde die Population durch die natürliche Selektion (z.B. Verluste durch Fressfeinde oder Krankheiten) sowie auch der Sterblichkeitsrate der Küken einigermaßen stabil bleiben. Würde an diesem Standort jedoch regelmäßig gefüttert, dabei allerdings die Kontrolle der Gelege vergessen, dann würde jedes Taubenpaar pro Jahr bis zu 12 Küken ausbrüten.

Bei einer Sterblichkeitsrate von 50 % blieben immer noch 6 Küken übrig, sodass die gesamte Population im ersten Jahr um weitere 300 Tiere anwachsen würde, was eine Gesamtanzahl von 400 Vögeln ergeben würde. Somit hätte sich die Population allein im ersten Jahr um 400 % vergrößert. Eine Weiterführung dieser Rechnung legt zugrunde, dass die Küken sich so entwickeln, dass sich jedes Jahr ein Taubenpärchen finden kann.

Wir möchten eindeutig zum Ausdruck bringen, dass eine unkontrollierte Fütterung, welche auf den ersten Blick zum Wohle der Tauben sinnvoll erscheint, das Problem mit den Stadttauben in den Innenstädten deutlich verschärft. Unserer Meinung nach sind betreute Futterplätze nur dann sinnvoll und genehmigungsfähig, wenn dadurch eine Vorbereitung auf weitere Maßnahmen stattfinden kann.

Betreute Futterplätze sollten hauptsächlich jenem Zweck dienen, dass die dort lebenden Tauben an diesen Standort gewöhnt und „gebunden“ werden, sodass man dort, max. 6-8 Wochen später, einen betreuten Taubenschlag errichten kann. Auf diese Weise würden die Tauben kontrolliert gefüttert und gleichzeitig eine Geburtenkontrolle durchgeführt werden können.

Grundsätzlich muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass nach der betreuten Fütterung kein Restfutter an den Futterstellen liegen bleiben darf.

Ein weiterer sehr heikler Punkt ist jener, dass, wie ich persönlich beobachtet habe, in und an betreuten Taubenschlägen auch solche Tauben gefüttert werden, welche nicht ständig im Schlag leben. Um des Tierschutzes willen mag dieses Verhalten der Personen, welche sich um die betreuten Schläge kümmern, zu verstehen sein, jedoch führt dieses „Fremdfüttern“ auf Dauer zu einem rasanten Anwachsen der Population. Dieses kann dazu führen, dass der Taubenschlag letztendlich so stark durch die Vögel frequentiert wird, dass es zu nicht mehr lösbaren Problemen im Umfeld kommen und schließlich die völlige Einstellung des Projektes zur Folge haben kann.

Ein Beispiel, leider ein sehr negatives, war der betreute Taubenschlag in Frechen bei Köln. Hier wurden die Tauben nicht nur im Taubenschlag, welcher für ca. 100 Tauben ausgelegt war, sondern auch auf dem Parkdeck gefüttert. Durch dieses Fütterungsverhalten wuchs die Taubenpopulation sehr rasch an, wodurch es in der Bevölkerung zu massivem Unmut gegenüber den Vögeln kam.

Um das Problem zu lösen wurde von den betreuenden Tierschützern immer wieder gefordert, zusätzliche Schläge an dem Standort zu errichten. Doch die Stadtverwaltung ließ diese Forderung außer Acht, und da sich keine passende Lösung zur Reduzierung der Taubenanzahl fand, wurde das Projekt, obwohl sich reger Protest aus der Bevölkerung regte, eingestellt und der Taubenschlag wieder abgebaut.

Ein weiteres negatives Beispiel ist ein betreuter Taubenschlag, welcher in einer Stadt im Ruhrgebiet stand. Der Schlag war für ca. 150 Tauben konzipiert, doch durch die Fütterung auf dem Dach wurden immer mehr standortfremde Tauben angelockt. Schließlich war die Population auf 1.300 Vögel angewachsen, woraufhin der Eigentümer des Gebäudes nicht mehr bereit war, das Projekt zu unterstützen. (Wieder eine Chance vertan).

Wir dürfen niemals unser primäres Ziel „aus den Augen“ verlieren, ein weiteres Anwachsen der Population zu verhindern sowie eine Reduzierung der bereits vorhandenen Taubenanzahl zu erreichen. Jedoch dürfen wir dabei die artgerechte Versorgung und Unterbringung der Stadttauben sowie das Tierschutzgesetz und weitere geltende Richtlinien nicht Außer acht lassen.

Für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Konzeptes ist es unerlässlich, dass alle Tauben, welche in den betreuten Schlägen leben, mit farbigen Ringen gekennzeichnet sind. Nur dadurch lassen sich die standortfesten Tauben von den „Gästen“ unterscheiden.