1. Wie wurde die Haustaube zur Stadttaube?

Stadttauben sind verwilderte Haustauben, welche im natürlichen Überlebenskampf kaum eine Chance haben. Da die Haustauben gewohnt sind, von den Menschen versorgt zu werden, haben sich die Vö-gel in den Städten angesiedelt, wo es reichlich Nahrung für die Tiere zu finden gibt.

2. Sind die Stadttauben wirklich die Ratten der Lüfte?

Wie alle wildlebenden Tiere können auch die Stadttauben Krankheiten übertragen. Doch im Gegen-satz zu den Ratten übertragen die Stadttauben keine, zumindest für den Menschen gefährliche, Krankheiten. Für eine solche Übertragung müsste schon ein sehr enger Kontakt zu den Stadttauben bestehen. Da die Vögel jedoch eine gewisse Fluchtdistanz einhalten, meist etwa 50 Zentimeter, kön-nen die Tauben keine Krankheitserreger auf den Menschen direkt übertragen.

3. Warum sind viele Stadttauben in einem wirklich "erbärmlichen" Zustand?

Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen lebt die Stadttaube wild und muss sich daher den Herausforde-rungen der Umwelt stellen. Dazu gehören insbesondere die Futtersuche, die Verteidigung eines Re-viers sowie der Schutz des vorhandenen Geleges. Wie bei fast allen Tierarten gibt es auch unter den Stadttauben eine gewisse Rivalität.

Auch wenn die Vögel augenscheinlich gesellig und harmonisch miteinander leben, so kommt es doch hin und wieder zum Streit unter den Artgenossen. Zum anderen tragen die Menschen die Schuld an dem Zustand der Tiere. Durch die unsachgemäß angebrachten Maßnahmen zur Taubenabwehr verletzen sich viele der Vögel bei dem Versuch, diese Maßnahmen zu umgehen. Verletzte oder sogar verstümmelte Füße sind bei den Stadttauben nicht selten zu sehen.

Auch die nicht artgerechte Ernährung führt dazu, dass die Vögel anfällig für Krankheiten werden. Wie beim Menschen, so führt auch bei den Tieren die Ernährung mit „ungesundem“ Futter zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Nicht artgerechtes Futter enthält nicht die notwendigen Nährstoffe, welche die Tauben benötigen, um gesund und fit zu bleiben.

4. Ist der Kot wirklich ätzend?

Diese Frage kann sofort verneint werden. Denn wäre der Kot einer Taube wirklich ätzend, also stark säurehaltig, dann würde der Vogel von innen her durch die Säure „aufgefressen“ und somit langsam und qualvoll verenden. Da dieses nicht der Fall ist, kann der Kot der Tiere nicht ätzend sein. Auch würde es nicht so viele Taubenzüchter geben, und vor allem könnte in der Taubenhaltung nicht mit Holzkästen oder ähnlichen Behältnissen gearbeitet werden.

Den Taubenkot allein für die Zersetzung und damit Zerstörung von gemauerten Gebilden, wie z.B. Denkmäler, Gebäudefassaden, Mauern etc., verantwortlich zu machen, wäre eine absurde Vorstellung und ist auch wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen worden. Vielleicht bildet der Taubenkot eine Komponente bei der Zerstörung von gemauerten Gebilden, aber dann nur eine äußerst unwesentliche. Genauso gut könnte man den Kot von anderen Tieren, insbesondere den Stadtvögeln, für die Zerstörung verantwortlich machen.

Eine erheblich stärkere Rolle bei der Zerstörung von gemauerten Gebilden spielt der natürliche Niederschlag, Im Zusammenspiel mit den Luftschadstoffen, welche der Mensch durch die Industrie, den Straßenverkehr etc. in die Atmosphäre freisetzt, kommt dieser Niederschlag als „saurer Regen“ aus den Wolken und trägt im hohen Maße zur Zerstörung von gemauerten Gebilden bei.

Was man jedoch auf keinen Fall bestreiten kann ist die Tatsache, dass der Taubenkot überall, wo dieser hinfallen kann, einen sehr unschönen Eindruck hinterlässt. Wenn der getrocknete Taubenkot entfernt wird, bleiben oft unansehnliche Ränder zurück, welche nur unter Einsatz von Reinigungsmit-teln, meist chemischer Art, entfernt werden können. Durch diese „Taubenkot-Ecken“ werden die Vorurteile, welche die Menschen gegenüber den Stadttauben haben, massiv unterstützt.

5. Warum sprechen immer mehr Städte Fütterungsverbote aus oder stellen das öffentliche Füttern unter Strafe?

Das Aussprechen von Fütterungsverboten sowie das Androhen von Strafen bei Nichtbeachtung des Verbots ist für die städtischen Behörden die einfachste Methode, um sich mit dem Taubenproblem auseinanderzusetzen. Dadurch wird das Problem jedoch auf keinen Fall gelöst; meist wird es dadurch noch verstärkt.

Das öffentliche Füttern der Tauben lockt immer neue Vögel an, welche sich den Schwärmen anschließen. Stellt man nun dieses öffentliche Füttern unter Strafe, so tun die Leute es dennoch, allerdings heimlich und ohne Aufsehen. Meist wird einfach etwas von dem Imbiss abgerissen oder abgebrochen und auf den Boden fallen gelassen, sodass es wie unabsichtlich aussieht.

Auch wenn die Tauben gerade nicht in der Nähe sein sollten, so bleibt diese kleine Aktion des Men-schen auf keinen Fall unbemerkt. Irgendein Auge, und sei es nur dasjenige eines kleinen Spatzes, verfolgt dieses Stück, welches zu Boden fällt, und merkt sich die Stelle ganz genau. Sobald diese Stelle frei zugänglich ist, wird das heruntergefallene Stück inspiziert und gefressen, ob im Ganzen oder in Teilstücken.

Doch wie sehr die Stadtverwaltungen dieses Problem auch in den Griff kriegen wollen, wird es doch immer wieder Leute geben, welche die "armen" Tiere absichtlich oder unabsichtlich füttern werden.