Grundlegendes zu den Stadttauben

Die heutigen Stadttaubenpopulationen sind eine Ansammlung der verschiedensten Taubenarten. Den größten Anteil an den Schwärmen bilden die Stadt- oder Straßentauben, welche ursprünglich von der Felsentaube abstammen. Diese Taubenrasse, welche als Haustaube in Gefangenschaft gehalten wurde, ist mit der Zeit wieder „verwildert“ und hat sich in den Städten neu angesiedelt. Die heutigen Populationen sind Nachkommen dieser „verwilderten Haustauben“.

Ein weiterer Anteil wird von verirrten Brieftauben gebildet, welche die Orientierung verloren und daher nicht mehr in den heimischen Schlag zurückgefunden haben. Ab und zu findet man unter den Stadttauben die eine oder andere Zucht- oder Rassetaube, welche ihrem Züchter entflogen ist. Diese Vögel haben es jedoch ungleich schwerer, sich in den Populationen zu behaupten.

Die Züchtung durch die Menschen über Jahrtausende hinweg hat einige grundlegende Fähigkeiten der Tauben verändert, u.a. auch das Brutverhalten. Dieses wird auf natürliche Weise durch die Jahreszeit und dem Angebot an geeigneter Nahrung bestimmt. Die Felsentaube und die bei uns heimische Wildtauben brüten bis zu dreimal pro Jahr, wobei 3 bis 6 Küken großgezogen werden können.

Im Gegensatz dazu brüten die Stadttauben bis zu sechsmal pro Jahr und versuchen, die beiden ent-stehenden Eier auszubrüten und die Küken großzuziehen. Man muss hier die Formulierung „versuchen“ anwenden, weil auch die Stadttauben genügend Stressfaktoren ausgesetzt sind.

Wie viele Küken schließlich erwachsen und geschlechtsreif werden, wird zum einen von den Fressfeinden (Sperber, Habicht, Wanderfalke) bestimmt. Zum anderen wird das Überleben der Küken so-wohl durch das vorhandene Nahrungsangebot als auch durch Umwelteinflüsse gesteuert.

Junge Tauben, welche noch keine „Meister im Fliegen“ sind, fliegen irgendwo gegen, z.B. Fensterscheiben (Häuser, Autos) oder Drahtgitter, oder verheddern sich in Netzen. Meist sind die Verletzungen, welche die Jungvögel dabei erleiden, derart lebensgefährlich, dass viele der Tiere sofort tot sind oder an den erlittenen inneren Verletzungen zugrunde gehen.

Da die Taube zu den „Körnerfressern“ gehört, ist ihre eigentliche Nahrung in der Stadt nur sehr schwer zu finden, vielleicht noch Gras-Samen in einer Parkanlage. Daher haben die intelligenten Tiere ihr Nahrungsspektrum den Möglichkeiten in der Stadt angepasst.

Öffentliche Futterstellen für Wildvögel, Fütterungen durch tierliebe Menschen sowie das Finden von Abfällen wie Pommes Frites, Brötchen oder Brot sichern das Überleben der Alttiere sowie von deren Küken. Lässt das Nahrungsangebot zu wünschen übrig, z.B. weil die Vögel keine fressbaren Abfälle finden, dann bleibt zunächst der Nachwuchs auf der Strecke.

Eine sinnvolle Alternative zum „öffentlichen Füttern“ wäre das Anlegen von Taubenschlägen, um die Tiere durch eine kontrollierte Fütterung dauerhaft an diese Unterkünfte zu binden. Auf diese Weise lässt sich auch die Populationsgröße durch die Kontrolle des Brutverhaltens regulieren. Dadurch, dass die Eier frühzeitig gegen Gips-Eier ausgetauscht werden, wird das unkontrollierte Ausbrüten der Kü-ken verhindert, während die Alttiere weiterhin gut versorgt werden.

Eine nicht konsequent durchgeführte Geburtenkontrolle führt in der Taubenpopulation zu einer ungesunden Überbevölkerung. Dieser Effekt führt dazu, dass

• das aggressive Verhalten gegenüber den Artgenossen zunimmt

• sich Parasiten und Krankheiten leichter ausbreiten können

• die Straßen und Gebäude in den Städten unter einer übergroßen Verschmutzung „leiden“

• die Vögel Nester an Stellen bauen, welche für ein Gelege ungeeignet sind.

Mit einer Regulierung der Stadttaubenpopulation würden die meisten dieser Probleme auf einfachste Weise gelöst. Es stellt sich nur die Frage, wie man diese Reduzierung auf eine sinnvolle Populationsgröße durchführbar umsetzen kann.